SCHALL UND STAUB – Serena Amrein und Barbara Hindahl

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Die Entstehung von Zeichnungen und projizierten Bildern kreiert simultan Schnalzen und Surren – ein Rhythmus von Knacken, Flöten und Aufjaulen, der zum Flow wird. Die Instrumente sind Schnüre und Pigmentpulver als auch Bürodrucker. Diese stehen im Fokus der Künstlerinnen Serena Amrein und Barbara Hindahl. In der Bad Nauheimer Galerie der Trinkkuranlage schaffen sie audiovisuelle Räume.

Normalerweise sieht und hört man nicht, wie Bilder entstehen. Der Künstler ist im Atelier. Der Stift schrappt über die Fläche, der Pinsel schlabbert über die Leinwand, mit einem Höllenlärm werden Fotos ausgedruckt. Dieser „Krach“ bildet das akustische Ausgangsmaterial für die beiden in der Galerie gezeigten Audiokompositionen. Der jeweilige Arbeitsablauf generiert den musikalischen Rhythmus. Arbeitsabfallgeräusche ordnen sich zu Tonfolgen. Diese werden auf mehreren Kanälen gespielt. Auf Videos sieht man das Entstehen von Bildern. In der Arbeit mehrspur von Serena Amrein baut sich wie bei einem Tintenstrahldrucker von Barbara Hindahl das Bild Linie für Linie langsam auf.

Flankiert werden diese Audio-Kompositionen von Zeichnungen. Was beide Künstlerinnen verbindet, ist Linie und Staub. Sich darauf einzulassen, Gewohntes neu wahrzunehmen und sich von diesen intensiven und gleichzeitig zarten Werken der beiden Künstlerinnen begeistern zu lassen, dazu laden wir, der Kunstverein Bad Nauheim, vom 4. Mai bis 16. Juni 2019 in die Galerie Trinkkuranlage ein.

Vernissage am Freitag, 3. Mai 2019, um 19 Uhr

Beide Künstlerinnen werden anwesend sein.
Die Einführung hält Kunsthistorikerin Julia Uti, Frankfurt.

Noch mehr erfahren Sie am Freitag, den 17. Mai, um 17 Uhr in einem Künstlergespräch, zu dem der Vorstand des Kunstvereins mit beiden Künstlerinnen einlädt. Beide Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.

Barbara Hindahl lässt den Tintenstrahldrucker zum Musikinstrument werden. Das Bild wird vom hin und her rasenden schwarzen Druckknopf verdeckt und wieder frei gegeben. In schnellem Wechsel verschluckt er das Licht und gibt es wieder frei. Thema ihrer Werke sind Zeichen und Symbole der digitalen Welt, die inzwischen das Leben von uns allen berührt. In ihren Installationen schenkt sie dieser Welt ihre ganze Aufmerksamkeit, nutzt sie gleichsam als neues Ausdrucksmittel. Haben wir so schon einmal einem Drucker zugehört? Die in der Galerie Trinkkuranlage ausgestellte Video- und Rauminstallation lässt uns das Klangbild von Druckern völlig neu erkunden.

Genauer hinsehen muss der Besucher auch, wenn er sich ihren filigranen Zeichnungen nähern will: Millimeterpapier, ausgedruckte Typografien oder eben Staub. Nachgezeichnet in einer Feinheit, dass wir es kaum glauben können. Alles verbindend: eine Unterbrechung, ein Absatz, ein Aus-der-Logik-herausfallen, geschaffen um neue Perspektiven einzunehmen, denen der Besucher begegnen kann. Eine Perspektive, die das Werk der Mannheimer Künstlerin Barbara Hindahl mit der heute in Darmstadt lebenden Serena Amrein verbindet.

Serena Amrein, gebürtige Schweizerin, lässt Medien wie Garn, Seil oder Tau ihre Zeichnungen ausführen. Jeder Luftzug, der beim Schnalzen der Schnüre entsteht, ordnet den freiwerdenden Pigmentstaub um die Linie herum. Linien sind als Spur, als Abdruck lesbar.

Wie Bilder entstehen, sieht und hört man normalerweise nicht. Laufbewegungen, das Setzen einer Linie, der Aufprall der Schlagschnur, der Keilrahmen als Klangkörper. Die Künstlerin zeigt dies in ihrer Video-Installation mehrspur. Eine statische Videokamera zeichnet den kompletten Bildaufbau Linie für Linie auf. Unterschiedliche Mikrofone halten den Klang, der während des Arbeitsprozesses entsteht, fest. Klänge von dem minimalistischen Aufprall der Schlagschnur bis hin zu Lauf-, Kurbel- und Ziehgeräuschen.

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